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Bitcoin und der Zitronenfalter

Darum rät Loys-Chef Ufuk Boydak von der Kryptowährung ab


Exponentielle Kursanstiege und fünfstellige Prognosen befeuern derzeit den Hype um die Kryptowährung Bitcoin. Grundsätzlich spricht aus unserer Sicht nichts gegen die Nutzung von Bitcoins. Allerdings hat der Erwerb von (Krypto-) Währungen aus unserer Sicht ebenso wenig mit echtem Investment zu tun, wie Zitronenfalter mit dem Falten von Zitronen beschäftigt sind. Dies gilt übrigens für alle Währungen. Wo liegt also der Unterschied?


Bitcoin als neue Assetklasse?

Ursprünglich ging es um die Schaffung eines sicheren, weil dezentralisierten Geldsystems, dessen Geldmenge nicht durch Notenbanken kontrolliert oder vermehrt werden kann. Infolge der grotesk anmutenden Kurssprünge der vergangenen zwölf Monate hagelt es in letzter Zeit immer mehr Warnungen vor einer Blasenbildung und den zu erwartenden Verlusten.


Hinzu kommen Maßnahmen verschiedener Zentralbanken, die versuchen den Handel in der Kryptowährung einzuschränken. Gleichzeitig wird aber von den Befürwortern laut darüber nachgedacht, Bitcoin gar als neue Assetklasse einzustufen. Auch die amerikanischen Großbanken erwägen einen Einstieg in den Handel. Das würde die Digitalwährung mit Aktien, Anleihen oder Immobilien als Anlageobjekt gleichstellen.

In die Kontroverse mischen sich Forderungen einzelner Ökonomen des Internationalen Währungsfonds nach einer Reformierung des Geldsystems, die sich stark an dem Konzept Bitcoin oder dem staatlichen Vollgeld orientieren. Als Fondsmanager unterziehen wir die Werthaltigkeit solcher Thesen im Sinne unserer Kunden einer genauen Überprüfung. 

Assetklassen dienen der Risikostreuung

Das Denken in Assetklassen oder Anlagekategorien hat als Umsetzung der modernen Portfoliotheorie seit den 80er Jahren Einzug in das professionelle Vermögensmanagement gehalten. Demnach fasst man Anlagemöglichkeiten nach ihrer Ertragsquelle und ihrem Risiko zusammen und erzielt einen Diversifikationseffekt, wenn man sie miteinander kombiniert.


Die klassischen Anlagen wie Aktien und Anleihen werden um Cash ergänzt. Und als sogenannte ‚alternative’ Assetklassen nimmt die Finanzindustrie heutzutage gern Währungen oder Rohstoffe hinzu. Das wirft die Frage auf, ob Bitcoin zur Risikostreuung beiträgt.


Muscheln versus Tulpen

Für die Überlegung, ob Bitcoins möglicherweise eine eigenständige Währung sein können, hilft ein Blick in die ökonomische Geschichte. Die Akzeptanz einer Währung hängt maßgeblich vom Vertrauen ihrer Nutzer ab: von 2000 v. Chr. bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Kauri-Schnecken von Afrika bis China international als Zahlungsmittel und als Wertspeicher anerkannt.


Edelmetalle als Basis für Währungssysteme sind uns da heutzutage schon wesentlich vertrauter. Und mittlerweile leben die meisten Menschen in der Überzeugung, dass die Kaufkraft und internationale Anerkennung verschiedener Währungen durch stabilisierende Maßnahmen von Notenbanken geschützt werden.


Bitcoin wird weltweit sowohl von einigen Staaten als auch von vielen Händlern als Währung akzeptiert. Anstelle einer institutionellen Regulierung enthält der Algorithmus zur Bitcoin-Schöpfung eine Mengenbeschränkung, die als Stabilitätsanker wirken soll. Für eine moderne Alternative zu den notenbankregulierten Währungen oder Muschelgeld sind das gute Voraussetzungen. 


Spekulation auf Knappheit

Daraus ergeben sich aber auch zwei problematische Konsequenzen: Ausgerechnet die begrenzte Verfügbarkeit, die zur Stabilität beitragen soll, macht aus dem Zahlungsmittel Bitcoin derzeit ein Spekulationsobjekt.


Die Anzahl von Bitcoin-Käufern, die auf ein alternatives Geldsystem ausweichen wollen, wird offenbar deutlich von denen übertroffen, die aufgrund der Knappheit des Angebots auf weitere Preissteigerungen setzen. Hier liegt der Unterschied zwischen investieren und spekulieren. Anscheinend kennt der Preis, den Nachfrager für das Digitalgeld zu zahlen bereit sind, nahezu keine Grenzen. Das erinnert an die Tulpen-Manie des 17. Jahrhunderts oder ähnlichen euphorischen Übertreibungen.


Damit geht zudem die Illusion einher, dass auch ohne Wissen und Arbeit ein Vermögen aus dem Nichts entstehen kann. Ohne das Wissen, wie man für sein Geld einen adäquaten Gegenwert erwirbt, setzt man sich jedoch leichtfertig der Gefahr eines substantiellen Vermögensschadens aus.


Eine Investition bietet langfristig Ertragskraft

Das Wesen des Investierens liegt in der Erkenntnis, dass der Preis, zu dem eine Sache angeboten wird, nicht zwangsläufig ihrem Wert entspricht. Aus der Differenz zwischen dem inneren Wert einer Anlage und ihrem Marktpreis leitet sich eine fundierte Investmententscheidung ab. Erst wenn man die rein spekulative Preiserwartung um eine Wertbestimmung ergänzt, darf man von investieren sprechen. Bei Loys folgen wir dabei den Prinzipien von Benjamin Graham, dem Begründer der fundamentalen Wertpapieranalyse, wonach ein Investment nach quantitativen und qualitativen Kriterien überzeugen muss.


Der Wert einer Geldanlage ist wesentlich mit ihrer Ertragskraft verknüpft. Eine Unze Gold ist über einen Zeitraum von 20 oder 100 Jahren immer das, was es ist: ein Stück Metall. Ein Unternehmen wie die Daimler AG hat dagegen seit ihrer Entstehung über sehr unterschiedliche Wirtschaftszyklen hinweg neue Werte geschaffen. Bei Unternehmen geht es nicht nur um die quantitative Einschätzung der Gewinnentwicklung, sondern qualitativ auch um die Nachhaltigkeit der Wertschöpfung. Damit geht das Vertrauen einher, dass man für sein Geld eine zukunftsfähige Beteiligung an einem produktiven Prozess bekommt. In Zeiten negativer Zinsen und drohendem Kaufkraftverfall bieten solide, gründlich analysierte Unternehmen beziehungsweise. Aktien langfristig die Chance auf Vermögenserhalt und Vermögensaufbau. 


Keine Angst vor verpassten Chancen

Sein Geld für Gold, Wein oder Kunst auszugeben, ist vermeintlich einfacher und intuitiv näher. Es lassen sich auch Wertuntergrenzen auf der Basis der Produktionskosten ermitteln. Aber mit keiner dieser Anlagemöglichkeiten partizipiert man an einer produktiven Wertschöpfung, sondern spekuliert auf eine Preissteigerung aufgrund von Knappheit des Angebots.


Investieren lebt von einer zu erwartenden Wertsteigerung. Spekulieren ist die bloße Erwartung steigender Kurse. Das gilt für Währungen und Bitcoins umso mehr, denn so sehr wir den Einsatz von Kryptowährungen als digitales Zahlungsmittel begrüßen, er erklärt für sich genommen weder eine Wertsteigerung noch eine Wertbestimmung.

In der aktuellen Phase erscheint der Tausch von Euros oder US-Dollars in Bitcoins eher als Spekulation aus der Angst heraus, die Chance auf exorbitante Gewinne auszulassen. Die Angst vor verpassten Chancen ist aber ein schlechter Ratgeber bei der Verwaltung von Kundengeldern. Wir bleiben dem genuinen Investieren treu und sind fokussiert auf Aktien, da sie inhaltlich eindeutig am meisten überzeugen.

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INVESTin
 TRUST. Carmen Weber
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