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Die 72er-Regel - DAX auf 50.000

Aktualisiert: 28. Feb 2018

Immer wieder werden wir mit den Prophezeiungen der Analysten großer Investmenthäuser beglückt. Bei manchen Anlegern sind Floskeln wie „der-Dax-steht-am-Jahresende-bei-X“ besonders beliebt. In der Finanzbranche hat sich aber angesichts dieses wiederkehrenden Rituals eine gewisse Müdigkeit breit gemacht. Die meisten Prognosen rufen eher gelangweiltes Achselzucken hervor. Angesichts dieser Reaktion wagen manche Kurs-Propheten wiederum sehr ungewöhnliche Vorhersagen. Und andere liegen einfach nur gnadenlos daneben.


Wo bleibt die Euro-Dollar-Parität?

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Analysten die sogenannte Parität von US-Dollar und Euro ausgerufen hatten. Es hätte eine werthaltige Prognose werden können, wäre sie Ende 2013 gekommen. Damals erhielt man für einen Euro noch 1,40 Dollar. Ein Jahr später waren es 1,15 US-Dollar, also gut ein Fünftel weniger. Erst im Anschluss dieser starken Trendbewegung wagten sich auch die großen, personalstarken Investmenthäuser aus der Deckung. Die öffentlichkeitswirksame Prognose firmierte unter dem Schlagwort Parität und erschien leider erst 2015. Damaliger Stand war 1,10 Dollar und tatsächlich wurde der Gleichstand zwischen Euro und Dollar seither nie erreicht.


Crashs verlieren sich in Zeit und Raum

Prognosen sind bekanntermaßen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Heerscharen von außergewöhnlich gut ausgebildeten Ökonomen scheitern seit Jahren an korrekten Aussagen über den kommenden Verlauf von Leitwährungen, Aktienindizes oder Zinskurven. Wer die nötige Gelassenheit hat, kann es auch als Gesellschaftsspiel ansehen. Man wettet um die Jahresendstände und wer anschließend am dichtesten dran ist, hat gewonnen. Für den Vermögensaufbau ist das nicht unbedingt hilfreich, aber je nach Gemütslage können sich Anleger das heraussuchen, was ihrer Einstellung am nächsten kommt. Für gute Investmententscheidungen braucht man jedoch eine fundierte Marktmeinung, die das Zusammenspiel der Einflussgrößen am Kapitalmarkt differenziert auswertet. Ohnehin taugen kurzfristige Kursziele umso weniger, je länger der eigene Anlagehorizont ist. Schaut man auf die zum Teil sehr lange Historie der Aktienmärkte zurück, dann relativieren sich Crashs in den Dimensionen von Zeit und Raum. Wie soll man als Anleger darauf reagieren und wie weit darf oder soll man nach vorn blicken?


Die Wahrheit über Prognosen

Als Beispiel seien die Hochrechnungen verschiedener Geldhäuser genannt, die den Dax bei 100.000 Punkten oder gar 200.000 Punkten sehen – wohlgemerkt erst im Jahr 2048. Diesen Langfristprognosen wohnt nicht nur eine intellektuelle Extravaganz inne. Aus unserer Sicht kann der DAX tatsächlich ein sechsstelliges Niveau erreichen. Dabei legen wir eine bewährte Faustformel, die 72er-Regel, zugrunde. Sie stammt aus der Zinsrechnung und gibt näherungsweise an, nach wie vielen Jahren sich eine verzinsliche Kapitalanlage im Nennwert verdoppelt. Legt man sein Geld zu 1% an, dann dauert es 72 Jahre, bis sich der Anlagebetrag verdoppelt hat. In dem aktuellen Umfeld von Zinsniveaus bei ca. 1% lohnt es sich also, auf Aktien schauen. Sie bringen im Durchschnitt zwischen sechs bis acht Prozent jährlich. Wendet man also die 72er-Regel auf den aktuellen DAX-Stand an, dann sollte er im Jahr 2040 bei gut 50.000 Punkten stehen. Damit relativiert sich die Bedeutung des aktuellen DAX-Standes oder einer Jahresendstand-Prognose.


Bleibende Werte

Gute Unternehmer schauen über den Rand des Jahresendes hinaus. Sie treffen ihre Entscheidungen langfristig und investieren das Kapital mit Umsicht. Mit dem Kauf der Aktien solcher Unternehmen erwirbt man echtes Eigentum an real existierenden Vermögenswerten, deren Wert durch gute Investitionen sich wiederum nachhaltig erhöht. Es gibt sehr viele Beispiele von Unternehmen, die in guten, aber auch in schwierigen Konjunkturphasen für ihre Anteilseigner bleibende Werte geschaffen haben. Die Überlegung, wo Aktien in zwanzig oder dreißig Jahren stehen könnten, hat also nicht nur intellektuellen Unterhaltungswert.


Eigentum an Wertschöpfung

Bei Loys streben wir den Erwerb einer zukunftsfähigen Beteiligung an einem produktiven Prozess an. Geschäftsmodelle mit begrenzter Halbwertzeit und solche, die langfristig die Chance auf Vermögenserhalt und Vermögensaufbau bieten, müssen voneinander abgegrenzt werden. Besonders dann, wenn es an der Börse ungemütlich wird oder der Konjunkturmotor stottert, überleben langfristig nur die soliden Firmen mit nachhaltiger Wertschöpfung. Solide und gründlich analysierte Aktieninvestments sind für uns wichtiger als heldenhafte Kursprognosen mit der Motivation eines kurzfristigen Wettgewinns. Auf der anderen Seite sind auch wir überzeugt, dass der DAX einmal bei 100.000 stehen wird. Wir legen uns dafür aber nicht auf das Jahr fest, nicht einmal auf das Jahrzehnt.

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INVESTin
 TRUST. Carmen Weber
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